Jens "Jenne Maibaum" Meihöfener zur Frage: "Kennt der Herforder Kanu
Klub eigentlich Jesus?" vom 22. 9. 2004

Liebe Bärbel, liebe Sabine,

hier eine Stellungnahme zu eurer E-Mail vom 21.September 2004.

Ich bin Atheist, habe keine Yacht, keinen Porsche und habe noch nie
eine Weltreise gemacht.  Und doch besitze ich inneren Frieden und
Freude!

Ich bin fest davon überzeugt, dass ihr es gut mit uns meint und uns
gern habt.

Aber es versetzt mich doch ein wenig in Erstaunen, dass ihr euch
fragt, wie bekannt Jesus im HKK ist.

Ich kann euch beiden versichern, jedes einzelne Mitglied des HKK kennt
Jesus!  Vielleicht hat die/der eine o. andere ihn inzwischen wieder
vergessen. Aber gehört hat sie/er garantiert schon mal von ihm. Ebenso
verhält es sich mit der Geschichte, dass Jesus für unsere "Sünden"
gestorben seien soll. Schließlich feiern wir das ja jedes Jahr,
genauso wie die Geburt Jesu!

Bei mir ist es ungefähr das zweite (und ich vermute bei allen anderen
auch), wovon ich in meinem Leben gehört habe. Gleich nachdem ich den
Weihnachtsmann kannte und noch bevor ich Herrn Kaiser (von der Hamburg
Mannheimer) kennen gelernt habe.

Anfänglich hatte ich vielleicht meine Zweifel.

Wieder auferstanden? In den Himmel gefahren? Jüngstes Gericht? Himmel
u. Hölle ???  Aber wenn sogar Oma u. Opa, Tanten u. Onkel,
Erzieherinnen u. Erzieher, später dann Lehrerinnen u. Lehrer,
Fernsehmoderatoren, Pop-Stars, Schriftsteller, Bundeskanzler und
Präsidenten das sagen, dann muss das wohl auch stimmen. Es muss halt
eine Geschichte nur tagtäglich viele tausend Mal wiederholt werden,
dann wird sie irgendwann wahr.

Anhand unserer eigenen kulturellen Vergangenheit können wir gut
erkennen, dass den meisten Menschen jeder Mythos als Tatsache
"verkauft" werden kann, er muss nur mit der entsprechenden
Beharrlichkeit und/oder Brutalität verbreitet werden.

Vor ca. 400 Jahren wurde erzählt, das Neger, Indios, Eskimos, Indianer
etc. eigentlich gar keine Menschen sind, man sie aber zu solchen
machen kann, indem man sie zum christlichen Glauben bekehrt.

Vor 60 - 70 Jahren, wurde die Geschichte verbreitet, dass Juden,
Zigeuner, Schwule usw. Menschen 2. Klasse sind und man sie vertreiben
oder umbringen muss.  Das alles haben die meisten Menschen geglaubt!
Warum? Weil man es ihnen erzählt hat. Immer und immer wieder, viele
tausendmal am Tag.

Heute macht das die Werbung. Sie erzählt uns tagtäglich, in jedem
Webeblock, in jeder Zeitung etc., dass der "Weiße Riese" weißer wäscht
als weiß oder das jeder Mensch einen Bausparvertrag braucht.  Und
sogar das glauben die meisten Menschen inzwischen.

Ich bin absolut für die freie Meinungsäußerung. Man sollte allerdings
darauf achten, dass man seine Meinung auch als seine persönliche
Meinung darstellt, und nicht als eine absolute Tatsache.  Die Existenz
und die Geschichte Jesu (und auch Gottes) ist ein Mythos und eine
Legende, auch wenn sie schon viele hundert tausendmal erzählt wurde.
Und wer sich berufen fühlt, sie zu verbreiten, der sollte sie auch als
eine solche erzählen und darstellen.

Ich bin davon überzeugt, und das ist meine persönliche Meinung: Wenn
die Christen, und alle anderen "gläubigen Personen", die Menschen in
der Vergangenheit nicht missioniert hätten, und aufhören würden es zu
tun, aufhören würden ihren Glauben in dieser Welt zu verbreiten,
aufhören würden, den Inhalt ihrer Bibel* als einen Tatsachenbericht
darzustellen, aufhören würden, ihre Art zu leben als die, für den
Menschen, einzig richtige zu deklarieren, sondern statt dessen ihren
Glauben einfach für sich behalten würden, andersgläubige oder auch
"ungläubige" tolerieren und in Ruhe leben lassen würden, sie mehr für
inneren (erst recht für den äußeren) Frieden und die Freude tun
würden, als sie es in den letzten ca. 2000 Jahren je getan haben.

Das wollte ich euch erzählen, weil ich glaube, dass das jeder wissen
sollte.

Jens Meihöfener


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Last update: 2004/09/25 12:39:08.771 GMT+1