Leserbrief zu den Artikeln "Bertelsmann offenbar im Gespräch mit Sony" und "Oft kopiert und nix kapiert" aus dem Wirtschaftsteil vom 25. 9. 2003
Der Musikindustrie bläst ein eiskalter Wind ins Gesicht. Sony und Bertelsmann wollen fusionieren, da ist von dramatischen Umsatzeinbrüchen die Rede, hunderte von "Musikpiraten" werden auf Verdacht hin mal vorsorglich verklagt, egal ob es sich um 12-jährige Schülerinnen oder Rentner handelt.
Von 260 Millionen "mit Musik bespielten Rohlingen" ist die Rede, da stellt sich doch die Frage, woher die so schlimm gebeutelte Musikindustrie eigentlich weiss, welcher Anteil wirklich für Musik-CD's und nicht für andere Zwecke Verwendung findet?
Während der Verband der amerikanischen Musikindustrie (RIAA) schon die Scheiterhaufen für die Betreiber der Tauschbörsen aufschichtet, belegen diverse Studien amerikanischer Universitäten, dass die Nutzung von Tauschbörsen das CD-Kaufverhalten sogar ankurbelt und nicht etwa negativ beeinflusst.
Nachgedacht wird da anscheinend nicht. Horrende CD-Preise, seit Jahren kaum innovative Bands, "Superstars" aus der Retorte, lästige kopiergeschützte CD's, welche sich nicht mehr ohne die Freisetzung krimineller Energie im Abspielgerät der Wahl des Kunden anhören lassen. Haben die Damen und Herren Manager denn geglaubt, dass dies immer so weiter gehen könnte?
Bereits jetzt prognostizieren kritische Künstler wie Tom Petty, Robbie Williams und andere ein baldiges Ende der Musikindustrie in ihrer jetzigen Form, die kaum Raum für Alternativen bietet und nur den Kommerz im Auge hat, und hören sich dabei nicht einmal besonders traurig an.
Mir stellt sich da mehr und mehr Frage, wer hier eigentlich "nix kapiert" hat.
Mit freundlichen Grüssen,
Uwe Schürkamp
Last update: 2003/09/25 17:56:42.075 GMT+1